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"[...] Seit wann definiert man denn Bildungsinhalte in Abhängigkeit von Technologien?
Dass die Geräte kleiner werden, hat keinerlei Einfluss auf die Bildungsinhalte, die man vermitteln möchte. Medien beeinflussen vielleicht die Darbietung, aber nicht die Inhalte." Wenn nach Luhan: "Das Medium die Botschaft ist", dann haben Medien bzw. Technologien schon immer Bildungsinhalte beeinflusst. Somit sind (Bildungs-)Technologien nicht einfach ein neutrales Instrument Dinge einfacher, überall, schneller und günstiger zu tun. Technik wirkt auf den Menschen zurück und verändert auch die Art und Weise, wie wir denken, lernen, kommunizieren und zusammenleben. Somit könnte man schlussfolgern, dass Technik auch Bildungsinhalte verändert. Eisenbahnen, Flugzeuge, Autos usw. haben z.B. unsere Vorstellung von Distanzen und Zeit grundlegend verändert, medizinische Fortschritte das Verhältnis zu Tod, Gesundheit und Krankheit. Das Telefon, das Fernsehen und das Internet die Art und Weise, wie Menschen miteinander verkehren. Im Sinne einer eher polykontexturalen Medientheorie würde ich sagen, dass zwischen Medium (hier konkret Bildungstechnologien) und Bildungsinhalten so etwas wie eine Wechselseitigkeit besteht, wo Medien und Bildungsinhalte sich in einem gleichursprünglichen Verhältnis wechselseitiger Abhängigkeit konstituieren.
Ich stimme zu, dass es Wechselwirkungen zwischen Medien und Bildungsinhalte gibt, keine Frage.
Wogegen ich mich wehre ist, dass Medienformen Bildungsinhalte determinieren. Dass Bildungsinhalte kleiner werden MÜSSEN, weil die Medien es darstellen können, ist es meiner Meinung nach argumentativ nicht haltbar. Sie KÖNNEN kleiner werden, aber dann doch nur dort, wo es didaktisch Sinn macht, dass sie kleiner sind, und nicht, dass es Screens gibt, auf denen es sich darstellen lassen wird.
da ja Remus seine hype-virus auf unserer Microlearning2006-konferenz aufgeschnappt und in die welt hinausgetragen hat, ein paar kurze bemerkungen:
(1) "Bildungsinhalte in Abhängigkeit von Technologien definieren": doch, daran möchte ich ausdrücklich festhalten. e-mail, google, text-lesen-auf-screens, das web 2.0 und künftig eben auch mobile data services verändern nicht einfach nur den "transport", sondern das wissens-ökosystem und damit auch die "bildungsinhalte". und wo die bildungsinhalte sich (anscheinend) nicht verändern, werden sie so ausgehöhlt. max woodtli hat völlig recht mit seinem hinweis auf McLuhan ("Understanding Media"). Vielleicht noch Lev Manovich ("The Language of the New Media") hinzunehmen. (2) dass die schwierigkeit "in der Re-Integration und die Kontextualisierung dieser kleinen Wissenseinheiten zu einem sinnvollen Ganzen" liegt: das stimmt vollkommen. diese re-kontextualisierung muss und wird technologiegestützt erfolgen (genau darum geht es im Web 2.0). (3) komplexität vs. einfachheit: das ist eine wichtige und, äh, komplexe frage. jedenfalls sehr dialektisch: es wird um so etwas wie "einfache komplexität" und "komplexe einfachheit" gehen müssen. jedenfalls nicht als antithese "komplexer inhalt" und "einfache (mediale) form".
"Technik sollte nicht die Bildungsinhalte diktieren, oder? Tut sie aber: Was wir heute lehren ist determiniert durch die Technik von gestern."von Seymour Papert an der Veranstaltung Digitale Lernwelten (1999) im Text Digitale Lerntechnologien
Habe gerade zufällig das Zitat in den Weiten des Netzes gefunden. Passt sehr gut an diese Stelle. Und so gesehen ist das mit der Determinierung von Bildungsinhalten auch logisch. Add Comment
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